Hyperion

Oder Der Eremit in Griechenland von Friedrich Hölderlin

Fassung für Schauspiel Andrea Conrad; Regie und Bühnenbild Andrea Conrad, Moritz Führmann (Hyperion I), Sabine Scholze (Diotima), Georg Losch (Alabanda) Patrick Walliser (Hyperion II), Frank Bettinger (Arzt), Alexander Kasprik (Chorführer), Sprechchor Jugendliche und Studenten aus Potsdam und Berlin, Hans Otto Theater Potsdam, Premiere UA  29.Juni 2007

Aus der Programmankündigung Hans Otto Theater Potsdam 2007

“Wohin denn ich” – mit diesem Ruf fragt Hölderlin, der auf Erden Heimatlose und Ungesicherte, nach dem Ort, an dem der Mensch sein ihm angemessenes Dasein finde. Hyperion, in der griechischen Mythologie Titan und Sohn der Gaia und des Uranos, den ein unbändiges Wesen auszeichnet und der vom Vater im Erdinnern festgehalten und später in den Tartaros gebannt wurde, wird Titelheld seiner eigenen Odyssee. In der Lebensgeschichte des Hyperion versucht Hölderlin einen exemplarischen Weg darzustellen, den jeder Mensch für sich antreten muss. “Wir durchlaufen alle eine exzentrische Bahn, und es ist kein anderer Weg möglich von der Kindheit zur Vollendung, von der Quelle bis zur Mündung ins Meer. (Hölderlin) Hyperion, ein Wanderer durch die Nacht, er ist auf der Suche nach Geborgenheit und Sinn in der Welt: “…eines zu seyn mit Allem !” (Hölderlin) In der Landschaft und antiken Kunst Griechenlands schöpft er Kraft für Selbstbestimmung und tätige Menschenliebe. Sein Ideal zerschellt an den Wirren der Zeit. Immer wieder begegnet er Zersplitterungen des Menschenbildes, welches er sich in seinen Träumen von Humanität geschaffen hatte. Die ins Extreme gesteigerte Sehnsucht führt zu seelischen Dissonanzen, Hölderlin reißt eine existentielle Wunde auf, ein nie abgeschlossenes Suchen und Sehnen. “Das Haus der Zukunft wird kein Haus sein, es wird ein Koffer, ein Paket, eine leere Verpackung sein, schäbige Sachen, die von einer erbärmlichen Existenz zur anderen geschafft werden. Wir werden alle arm sein” (Fabricio Plessi) In seiner Rastlosigkeit flieht er in die Natur, die in ihm eine Empfindung auslöst, in der alle von ihm zuvor erlittenen Verluste, Enttäuschungen, Zurückweisungen, alle Entgegensetzungen schließlich ihre Aufhebung finden. In der göttlichen Natur und in der Liebe zu Diotima sucht er seinen Frieden und Trost. Hölderlin beschreibt mit seiner Sprachmächtigkeit, die sich in großen Bildern und Rhythmen bewegt, zugleich das Drama des modernen Menschen. Die Sprache bringt lebendige Schrift hervor. “Der vom Klang bewohnte Mensch ist ein Raum, in dem die Welt als lebendige Schrift erscheint, welche es zu entschlüsseln und zu interpretieren gilt”. (Pier Luigi Billone) ” Wie der Zwist der Liebenden, sind die Dissonanzen der Welt. Versöhnung ist mitten im Streit und alles getrennte findet sich wieder. Es scheiden die Herzen, die Adern und einiges, ewiges, glühendes Leben ist alles.”(Hölderlin)

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Artikelbild Bildrechte Thomas Wagner, Bearbeitung Gunnar Conrad

 

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