Deutsch – Italienisches Fachkräftetreffen in Berlin
vom 7.12.2025 – 14.12.2025
Gefördert vom Bundesministerium für Familie, Senioren, Frauen und Jugend
Leitung Amelie Conrad
Gemeinsam mit der italienischen Partnerorganisation Poiesis Editrice aus Süditalien realisierte die Vereinigung für genreverbindende Kunstprojekte e.V. im Dezember 2025 ein Fachkräftetreffen in Berlin. Ziel war es, Fachkräfte aus Deutschland und Italien aus den Bereichen Literatur, Musik, Bildende und Darstellende Kunst zusammenzubringen, um Formen und Methoden internationaler Zusammenarbeit in der Jugendkunstarbeit zu entwickeln.
Die Zusammenarbeit wurde erweitert durch Kinkaleri Florenz und durch das in Mailand ansässige und im Jahr 2016 gegründete Laboratorio Silenzio, einem Verein zur sozialen Förderung gehörloser Menschen. Als Plattform für inklusive künstlerische Projekte organisiert der Verein Workshops und Performances in der Natur und Stadt – mit besonderem Interesse an Beziehungs- und Kommunikationskunst, nonverbaler Kommunikation, Stille, dem Gehen als Praxis der Landschaftserfahrung, dem Körper, der Geste und ihren möglichen Wechselwirkungen mit urbanen und natürlichen Räumen. Seit 2017 arbeitet Laboratorio Silenzio an Projekten, die darauf abzielen, Orte durch Landschafts- und Stadtraumgestaltung, Beziehungsdesign und Theaterperformance neu zu beleben.
Im Zentrum der Fachkräftebegegnung steht die konzeptionelle Entwicklung eines partizipativen, interdisziplinären Kunstprojekts, das Jugendliche aktiv in den künstlerischen Prozess einbindet und in den Jahren 2026 bis 2028 in beiden Ländern weiterentwickelt werden soll. Gemeinsam mit der VgK e.V. ist angedacht worden, ein Projekt zu realisieren, welches die Geschichte der Kulturen des Mittelmeerraums thematisiert und künstlerisch mit Jugendlichen aus Deutschland und Italien bearbeitet. In der Vorbereitung konnte die Leiterin des Fachkräftetreffens, Amelie Conrad, auf bereits stattgefundene Projekte und Erfahrungen mit Poiesis Editrice in Berlin 2025 und Laboratorio Silenzio zur Biennale für Resilienz, Kunst & Landschaft der Organisation LWCircus auf Sardinien im Jahr 2024 aufbauen.
Poiesis Editrice
Poiesis Editrice, eine Brücke der Kulturen zwischen den Ufern der Zivilisationen, versteht sich seit ihrer Gründung (März 1995) im Rahmen des Laboratorio Poiesis als ein Bezugspunkt für Literatur, Denken und Fragestellungen zwischen den beiden Ufern des Mittelmeers. Sie stellt somit einen Ort der Begegnung, des Wissensaustauschs und der Zirkulation von Ideen zwischen Orient und Okzident, zwischen dem Mittelmeerraum und Europa dar – insbesondere durch die Veröffentlichung der Zeitschrift „da Qui“.
Poiesis Editrice fördert und verbreitet daher durch ihre Publikationen und ihre kulturelle Tätigkeit ein neues Denken, das auf kulturelle Abrüstung ausgerichtet ist. Auf der Suche nach einer res extensa als einem vertikalen und horizontalen Raum der Verbindung des Schriftstellers mit seiner eigenen Erde-Erinnerung-Sprache. Ziel ist es, die polyzentrische Komplexität einer eigenen kulturellen Subjektivität wiederherzustellen – literarisch, menschlich und intellektuell.
Giuseppe Goffredo ist Dichter und Schriftsteller, geboren 1956 in Alberobello, Apulien. Er ist Leiter der Seminari di Marzo (1983–2025). 1995 gründete er den Verlag Poiesis Editrice, den er seither leitet – ein Verlag mit Schwerpunkt auf Literatur zwischen Europa und dem erweiterten Mittelmeerraum. Ebenso gründete und leitet er die Zeitschrift Da qui – Literatur, Kunst und Gesellschaft zwischen den Kulturen des Mittelmeerraums.
Zu seinen Gedichtveröffentlichungen zählen Fra Muri e Sogni (Turin, Einaudi, 1982), Paesaggi di Maggio (Mailand, Mondadori, 1989), Elegie Empiriche (Guerini e Associati, Mailand, 1995), Alle Porte di Alessandria. Gedichte 1977–2000 (La Mongolfiera, 2003) und Contrade Madri di Aprile (Lieto Colle, Mailand, 2007). Bei Poiesis Editrice erschienen außerdem Canto e oblio (2010), Nessuna solitudine è più vera dell’azzurro dopo ogni spavento (2015–2016), Nelle voci del mare perdute (2019) sowie Cadere nutre la terra. Poesie 1976–2022 (veröffentlicht 2024). Im Bereich der Prosa veröffentlichte er Con i fiori dei mandorli in faccia (Roman, Palomar, Bari, 2006), Il Cielo Sopra Baghdad. Diario di un viaggio in Iraq (2006–2012), Verso il mare che tace (Roman, Poiesis, 2012), Lo sguardo del paesaggio. Un viaggio attraverso il paesaggio italiano (Poiesis, 2015) und È Alberobello, il patrimonio, la tutela, l’amor loci (Poiesis, 2022). Im Sachbuchbereich erschienen unter anderem Cadmos Cerca Europa – il Sud fra il Mediterraneo e l’Europa (Bollati Boringhieri Editore, Turin, 2000), I dolori della Pace. Crisi o scontro di civiltà nel Mediterraneo (Poiesis, 2009) und Soli con il mondo. La specie umana dentro la crisi di civiltà (Poiesis Editrice, 2020). Seine Werke wurden ins Deutsche, Französische, Englische, Arabische, Türkische und Kroatische übersetzt. 1987 wurde er mit dem Pier Paolo Pasolini-Preis ausgezeichnet.
Laboratorio Silenzio
Seit 2017 arbeitet Laboratorio Silenzio mit der Landschaftsarchitektin Elisabetta Bianchessi (T12 Lab und Verdi Acque) an Projekten zusammen, die darauf abzielen, Orte durch die Gestaltung von Landschaften und öffentlichen Räumen, relationales Design und theatrale Performance neu zu beleben.
Kinkaleri Florenz
Kinkaleri wurde 1995 in Florenz gegründet und bewegt sich zwischen experimentellem Theater, Bewegungsforschung, Performance, Installationen, Bühnenbildern und Klangmaterialien und sucht nach einer Sprache, die nicht auf einem Stil basiert, sondern unterschiedliche Disziplinen inhaltlich miteinander verbindet.
Seit 2001 hat Kinkaleri seinen Arbeitssitz in Prato im spazioK, einem der Räume des ehemaligen Industrieareals Campolmi im historischen Stadtzentrum. Seit 2013 ist spazioK ein regionales Residenzzentrum, das künstlerische Prozesse aus verschiedenen Bereichen der zeitgenössischen Kunst entwickelt und sich insbesondere an jüngere Generationen und Kinder und Jugendliche richtet. Der Raum ist außerdem Veranstaltungsort von is it my world? und Body To Be, einer von der Kompanie kuratierten Reihe zu den darstellenden Künsten.
Das Fachkräftetreffen wurde von Amelie Conrad (VgK e.V.) konzipiert und leitend durchgeführt. Ihrer vielfältigen, künstlerischen Arbeit in Italien ist es zu verdanken, dass diese Fachkräftetreffen im Sinne ambitionierter Projektarbeit für Jugendkunst stattfinden konnte. Sie vermittelt und schafft umfangreiche Netzwerke.
Beitragbild copyright Andrea Conrad
